Reformation und Naher Osten

27 Jun
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Prof. Dr. Assaad Kattan, Rev. Dr. Uwe Gräbe, Prof. Dr. George Sabra, Prof. Dr. Martin Tamcke

Hier eine kürzest mögliche Zusammenfassung von Stimmen aus dem Nahen Osten zur Frage: Was ist der Beitrag der reformatorischen Kirchen im Nahen Osten, welche Rolle spielen sie und was ihre Botschaft!

  • Mit reformatorischen Ideen, wie (persönliche) Freiheit, Unabhängigkeit, Entzauberung der Welt, Bildung für alle, Bibel in Volkssprachen usw. wurde der Nahe Osten im 19. Jh. durch Missionare aus Europa und Amerika konfrontiert. Menschen, die sich von diesen Ideen angesprochen fühlten, gründeten schließlich unabhängige Kirchen in der Region.
  • Diese Kirchen vervollständigen und bereichern heute die Ökumene vor Ort.
  • Mehr noch als die katholischen bilden die evangelischen Kirchen eine Brücke zwischen Ost und West und erklären Orient und Okzident einander.
  • Die wichtigste und vornehmste Aufgabe der reformatorischen, sowie natürlich eigentlich aller Kirchen ist die Verkündigung des Evangeliums.
  • das kann auf zwei Wegen geschehen:
  • die „sakramentalen“ Strömung – in ihr kommt es auf Kirchenstrukturen,      Amtsverständnis, Riten, Bilder etc. an
  • die „prophetische“ Strömung – in ihr kommt es vor allem auf „das Wort“ an.

Zum ersten Weg gehört heute auch neuer Aberglaube, etwa in Form von verschwörungstheorien. Mit dem zweiten Weg werden Stichworte verbunden, wie (Selbst-)Kritik, Demokratie (auch innerkirchlich: Frauenordination, Eucharistie für alle,…), Verantwortung für Gesellschaft und Schöpfung.

Im Libanon gibt es viele konfessionell gemischte Familien (zB protestantisch+orthodox) in denen beides gelebt wird.

Wir sahen zB einen kleinen Film, wie in einem protestantischen Haushalt die Mutter (griechisch-orthodoxer Herkunft), überall in der Wohnung Weihrauch entzündete und die Kinder damit segnete und auch ein Christusbild, „aber nicht eins mit Gold und so sondern arm und schlicht, also ein evangelisches“.    In katholischen Häusern findet sich eher eine Marienstatue als ein Kreuz, mit der „theologischen“ Begründung, das Jesus die Kirche ja an Maria übergeben hat.

Auch gegenüber dem Islam sind die reformatorischen Kirchen eine genuine Stimme: Stichwort: Gnade oder Gesetz. „Leben ist mehr als Scharia, Liebe mehr als Barmherzigkeit“. Erlösung gibt Christus, wenn ich mich von seiner Verkündigung ansprechen lasse und nicht das tue, was mir ein Priester, Imam oder sonstwer „als den richtigen Weg zum Himmel“ weismachen will.

Ich wünsche den Protestanten im Nahen Osten und ihrer Ausbildungsstätte NEST Mut, Geduld und Ausdauer in ihrer prophetischen Mission. Und allezeit GOTTES  SEGEN!

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Altar in der Kapelle der NEST

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Braucht der Islam einen Martin Luther?

25 Jun
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Prof. Tarif Khalidi

„Nicht einen, sondern viele“, sagt Prof. Tarif Khalidi und sie sollten gemeinsam in offener Debatte herausfinden, wie der Koran im 21. Jahrhundert angemessen zu interpretieren ist.

Heute war der Tag u.a. der Begegnung mit dem Islam gewidmet. „Es gibt kein Hindernis, warum der Islam nicht in demokratischen und säkularen Staaten existieren können soll. Er braucht keinen  „muslimischen Staat“.

„Die Trennung von Religion und Regierung, die Wertschätzung von Philosophie, Kunst, Literatur und Musik als Teil der Bildung für alle, in einer offenen Gesellschaft, sowie andere, moderne Methoden  der

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Sheikh Abdul Latif Daryan (Mitte) Mufti der Republik Libanon

Auslegung des Korans – das brauchen wir im 21. Jahrhundert“, sagt der Historiker, der in Oxford und Cambridge lehrte und dann den  „Sheikh Zayed Lehrstuhl“ an der AUB in Beirut innehatte.

Ganz anders gestaltete sich der Besuch beim Großmuft vom Libanon, der uns in seiner Residenz empfing und ganz anders hörte sich auch an, was er uns sagte.

Natürlich hat so ein Empfang seine Regeln. Wir Frauen mussten unsere Köpfe mit Tüchern bedecken und zur Begrüßung und Verabschiedung reichte er nur den Männern die Hand.

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Seltsames Gefühl

„Ja, wir brauchen Erneuerung. Erneuerung der Religion und der religiösen Erziehung der Jugend, um wieder zu den eigentlichen Wurzeln des Islam zurück zu kehren.“ Er sprach auch viel von Liebe, gegenseitigem Respekt, Gerechtigkeit und friedlichem Zusammenleben. Die Basis der Religion (die fünf Säulen des Islam) steht natürlich unabänderlich fest. Aber die Methoden, wie sie gelehrt werden, könnten erneuert werden.

Schon seltsam das Gefühl, im Kopftuch eingesperrt zu sein. Ich nehme mich selbst anders wahr. Das Tuch macht etwas mit mir, verändert mich irgendwie. Ich spüre, das ist nicht meine Kultur. Meine Identität bleibt aber, dass ich darüber nachdenken und es einordnen kann. Ich muss es nicht – ich tu’s aus Höflichkeit und Respekt.

Doch der Respekt des Islam vor den anderen hört im Schulbuchprojekt von „Adyan“, in dem gemeinsame Werte gelehrt werden, an der Stelle auf, wo die Religionsfreiheit kommen müsste. Das geht nicht.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Heilige und Künstler in luftigen Höhen

24 Jun

von Wolfgang Grieb (mein erster Blogeintrag seit Dezember 2012)

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Heiliger Mar Charbel

Nach zwei Tagen intensiver Begegnun- gen und Gesprächen gönnten wir uns heute (Donnerstag 23.Juni) einen Ausflug in die schöne libanesische Bergwelt. Raus aus der drückenden Schwüle Beiruts sehnten wir  uns nach Inspiration und Rekreation  in luftigen Höhen.           Unser erstes Ziel war der Ort Aannaya, 20 km östlich und 1000m über Byblos.    Hier befinden sich das Grab und eine Erimitage von St. Charbel, dem heute wohl populärsten Heiligen Libanons.

P1310137-klMar Charbel lebte als maronitischer Mönch im 18. Jahrhundert viele Jahre im Wadi Kadischa und in  Aannaya. Seine Hingabe in Askese, Gebet und Seelsorge  machten ihn schon zu Lebzeiten berühmt. Viele Wunder und Heilungs-erfahrungen ranken um sein Leben und um seine Grabstätte, was im 20. Jahrhundert schliesslich auch zur offiziellen Heiligsprechung durch Rom  führte.Tausende Pilger und Wanderer ziehen täglich zu seinem Grab, um ihn zu verehren und um Hilfe in Not zu bitten.

DSC02910-klVieles erinnert mich hier an Lourdes.             In mehreren Kapellen gab es gleichzeitig Gottesdienste.  In einem Raum sind Hunderte Briefe ausgestellt, in denen Menschen dankbar erzählen, wie  sie durch die Fürsprache des Heiligen geheilt wurden. Im Auftrag eines muslimischen Freundes, der mir vor einigen Jahren diesen Wallfahrtsort mit tiefer, persönlicher Ehrerbietung  nahegebracht hatte, entzündete ich eine Kerze für seinen neugeborenen Sohn.

Eine besondere Stimmung liegt über diesem Ort, der wie  viele libanesische Klöster in einer wunderbaren Landschaft zwischen hohen Bergen und tiefer Meeresebene.liegt, und zum Ruhig werden einlädt.

P1310163-kl Nun ging es die nächsten 50 km durchs Hochgebirge.. An Obstplantagen, bizarre Felsformationen und Ziegenherden vorbei,  auf engen, mit mit Photovoltaik betriebene Straßenlaternen gesäumten Wegen entlang, mit stets neuen berau-schenden Ausblicken in die Tiefe oder zu den Höhen, bis wir nach drei Stunden  die Bergstadt Becharré  erreichten.              Hier, hoch über dem Wadi Kadischa  er- warteten uns die nächsten heiligen Orte: P1310174-kl

Eine kleine erfrischende Wasserquelle in der Nähe einer alten Erimitage soll von der Jungfrau Maria eigenhändig gestiftet worden sein, um einem alten Mönchen das mühselige Wassertragen auf den Berg zu ersparen. Seitdem werden an diesem Wasser ähnliche Heilungskräfte wie an der Lourdquelle  erfahren.  Vielleicht hat darum der Künstler Khalil Gibran (1883-1931) die angrenzende Erimitage zu seiner Ruhestätte erkoren und P1310236-kl

zu dem Ort erwählt, an dem die Nachwelt in einem beindruckenden Museum seine Werke  bewundert. Wer kennt nicht seinen Weltbestseller, den mystisch- philoso- phischen Ratgeber „Der Prophet“. Dass Gibran darüber hinaus ein einfühlsamer Maler ist, der die Geheimnisse um Leben, Liebe und Sterben in allegorischen Menschengestalten und vom Wadi Kadischa geprägte   Landschaften einkleidet,P1310183-kl

wurde mir erst in diesem Museum bewusst.

Man braucht Zeit, um sich in seine Bilderwelt einzulesen und seine Botschaft von der Einheit von Mensch und Natur und von Zeit und Ewigkeit  aufzunehmen.

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Der Heilige Charbel und der moderne ProphetKhalil Gibran sind beide  Botschafter von einem Leben, dass sich naturverbunden der Erde zugewandt und doch zugleich zum Himmel berufen weiß.

Von erhabener Größe zeugen darum auch die großen Zedern im Becharre-Naturrervat, die wir vor unser Heimfahrt noch aufsuchten.

Inspiriert von so viel Heiligkeit und Natürlichkeit traten wir zügig die Rückfahrt an, und taten  in Hamra der Seele noch dadurch  Gutes, in dem wir unseren  Körpern genussvolle orientalische Salate und libanesisches Bier zuführten.

 

 

Palis

22 Jun
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Bei JCC in Beirut Links Sylvia Haddad Mitte Assistentin Carla

Sylvia Haddad wurde 1948 in Jerusalem geboren, aber sie hat keine Erinnerung mehr an ihr Haus, denn lange konnte sie dort nicht wohnen. Ihre Familie floh mit ihr nach der Gründung des Staates Israel in den Libanon. Hier engagiert sich die gelernte Erziehungswissenschaftlerin  seit 20 Jahren im JCC, „Gemeinsames Christliches Komitee für Soziale Dienste im Libanon“, eine der ältesten NGO’s, die seit 1950 mit palästinensischen Flüchtlingen im Libanon arbeitet.

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Unser Peug

 

Sie erzählt uns von den über 50 000 palästinensischen Flüchtlingen aus Syrien, die nun schon zum zweiten Mal Flüchtlinge geworden sind und hier in Lagern leben, in denen es ihnen wesentlich weniger gut geht, als sie es früher in Syrien hatten. Wir haben Sylvia schon vor Jahren in den palästinensischen Flüchtlingslagern in Beirut, Sabra und Shatila, kennen gelernt und die Sysiphusarbeit, die sie dort leistet, das Leben aufrecht zu erhalten  und Kindern Bildung zukommen zu lassen. Heute empfiehlt sie uns, kennenzulernen wie JCC mit den palästinensischen Flüchtlingskindern in Sidon arbeitet.

Wir setzen uns ins Auto und brausen los. Erstaunlicherweise ist heute in Sidon mehr Verkehr, als in Beirut. Hier in der quirligen Innenstadt hat JCC eine Etage in einem Haus

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Mädchenklasse

gemietet, fünf Klassenräume und zwei Büros eingerichtet und hier werden nun täglich  etwa 200 Kinder, die mit ihren Eltern im Flüchtlingscamp leben, in allen Fächern des syrischen Curriculums unterrichtet.Heute, im Ramadan, malen die Kinder nur Bilder oder basteln Blumen.

Zum stattlichen Examen fahren die Lehrer auf einer riskanten Reise mit den Schülern nach Damaskus in Syrien, wo sie tagelang an den Abiturprüfungen teilnehmen. Wenn sie die schaffen, wollen sie in Syrien studieren. Wo denn sonst? Das Land muss schließlich wieder

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Grundschulklasse

aufgebaut werden.

Am Nachmittag besuchen wir noch Fadi Daou in der interreligiösen NGO „Adyan“ und treffen hier auch Nayla wieder, die wir noch von früher kennen. Auch Adyan macht Bildungsarbeit, wie so viele private und internationale NGO’s hier. Überall werden ein paar syrische Flüchtlingskinder unterrichtet. 25 % von allen (  und das sind immerhin eine halbe Million) werden nachmittags in öffentlichen libanesischen Schulen von syrischen Lehrern unterrichtet. Ziel ist es, möglichst viele Kinder fit zu machen, dass sie an libanesischen Schulen weiterlernen können. Das Niveau ist hier ein anderes und die Unterrichtssprachen sind Englisch und Französisch, in Syrien nur Arabisch.

Außer vielen Details zur Situation von Flüchtlingen und Bildung ist natürlich auch mit allen Gesprächspartnern Gott ein Thema, und die Welt , die Politik und die Religion.

Diese wunderbaren Gespräche hier alle wiederzugeben übersteigt  Platz und Möglichkeiten. Gern für Interessierte mal direkt ausführlicher.

 

 

 

 

 

 

 

Bekaa

21 Jun
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Abendessen 1

Über eine Million Flüchtlinge im Libanon? Wo sind sie?

Im Zentrum von Beirut sieht man sie nicht, eigentlich überhaupt nicht entlang der Küste. Nur asiatische Hausangestellte laufen durch die Straßen, stehen im Supermarkt an der Kasse an. Tagsüber scheinen viele Libanesen zu schlafen. Dann fällt das Fasten auch leichter. Hier geht die Sonne um 20.05 unter. Dann rufen die Imame zum Gebet und zum Essen. Schon ab 19.30 sitzen viele Familen im Großverwandtschaftspack vor

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Abendessen 2

den edel gedeckten Tischen in den Restaurants und warten auf Iftar, das erste Essen des Tages. Unglaublich, wie viele Resataurants jeden Abend voll sind. Dabei ist das Essen nicht billig. Überhaupt ist der Libanon teuer, sogar für uns. Eine lokale SIM-karte gibts nur für mindestens einen Monat, 42 $. Und dann zahlt man noch die Gespräche drauf. Macht uns keinen Spaß. Jedenfalls sitzen viele Libanesen oft nach Mitternacht immer noch da und dann wird am nächsten Tag eben geschlafen. Viele Geschäfte öffnen auch erst abends.

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Montag nachmittag sind die ersten Kollegen eingetroffen, die auch an der Consultation teilnehmen wollen und wir beschließen mal gleich ein Programm.

Erste Reise mit dem neuen Auto (Bild kommt noch) geht wie alle Jahre in die Bekaaebene zur Schneller-Schule. Diese von deutschen Missionaren vor über 150 Jahren gegründete Schule nimmt vor allem Kinder aus bedürftigen

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In der Schneller-Schule

Familien, aber auch Waisen auf. Seit vier Jahren sind 10 % ihrer Schüler syrische Flüchtlingskinder. Sie haben schon Ferien, aber der Direktor, George Haddad, hat Zeit für uns und wir fragen ihm Löcher in den Bauch. Darüber freut er sich als guter Pädagoge und gibt uns engagiert Auskunft zu allen Themen, die uns interessieren.

350 Schüler zur Zeit, davon 10 % also 35 Syrer, die inzwischen voll integriert sind und keinen Sonderstatus haben. 23 syrische Kinder gehen außerdem in den Schneller-Kindergarten und 22 alleinerziehende Flüchtlingsmütter bekommen ein dreimonatiges Training  im Nähen oder Friseurhandwerk. Diese Arbeit für und mit syrischen Flüchtlingsfrauen hat sich als sehr erfolgreicher Renner etabliert. Und vor allem: muslimische und christliche Kinder lernen hier zusammen in Frieden zu leben und ihr eigenes Leben, sowie die Welt um sie herum konstruktiv zu gestalten. Solche Samen tragen Früchte, aber nicht alle Samen gehen gleichzeitig auf. Bei den letzten Lokalwahlen jedenfalls sind überwiegend junge Menschen, gut ausgebildet und per sozialer Medien international interessiert und vernetzt in die Rathäuser gewählt worden.

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In Kirbet Kanafar bei Rita und ihrer Familie (Rita zwischen Wolfgang und mir)

Schneller-school geht auch sonst voran. die gesamte Warmwasseraufbereitung und Heizung wird inzwischen solar beliefert. Nun ist das elektrische System dran und wer als Nächster die Schnellerschule besucht wird hoffentlich sehen können, welch schlaues System sie sich ausgedacht haben.

Aber in Kirbet Kanafar, in der grünen Ebene zwischen Libanon- und Antilibanongebirge gibt es neben den besten Weinfeldern auch noch anderes Gutes. Wolfgang wird immer wieder hierher kommen, wo er sich vor 3 1/2 Jahren das Bein gebrochen hat nach einem Besuch bei der Familie des Schreiners der Schneller-Schule. Dessen Tochter Rita hat dieses Jahr als Beste der Schule abgeschlossen und deshalb darf sie an einem Stipendienprogramm teilnehmen und wird demnächst einen Monat durch  Deutschland touren. Die Kommunikation mit ihr auf Deutsch klappt schon recht gut. (Ach, wenn doch unsere Flüchtlinge in Joachimsthal auch schon so weit wären!)

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Sawa-Mitarbeiter und Flüchtlingslagerkomitee in der Nähe von Riyaq

Über Sylvia Haddad (s. morgen) und ihre Mitarbeiterin Clara vermittelt haben wir dann  ein Treffen mit Leuten aus einem Lager.

Es gibt im Libanon keine offiziellen Flüchtlingslager, wie zB in Jordanien. Die Lager sind selbt organisiert und autonom verwaltet von den Flüchtlingen. Der UNHCR und andere Hilfsorganisationen können keine eigenen Lager errichten, arbeiten aber unterstützend in den Lagern, die existieren.

Dieses hier gibt es seit 2012. 40 Familien etwa 150 Menschen leben hier in zwanzig Zelten. UN-Leute haben Toiltten, Wasserleitungen und andere Infrastruktur beigetragen. Die  nigerianische NGO „Sawa“ DSC02886-klkümmert sich vor allem um Unterricht für die Kinder und Gesundheitsversorgung.

Über die Probleme mit dem Bildungswesen werden wir morgen hoffentlich mehr erfahren. Da die Lagerleute (Sunniten) nicht bereit waren, sich fotografieren zu lassen hier nur ein Detail. Dieses kleine Schild klebt auf allen Toiltten hinter den Zelten und will zeigen, das die UN hhier sind, auch wenn sie offiziell nicht viel tun dürfen.

 

 

 

 

 

Sonn(en)tag

19 Jun
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Happy Ramadan

Beirut ist wirklich in dieser Zeit eine fast stille Stadt, jedenfalls im Vergleich zu sonst. Wenig Verkehr auf den Straßen, viele Geschäfte geschlossen, die Restaurants ziemlich leer. Es ist Ramadan.

Und schon an einigen Schulen und Universitäten Ferien. Also sind viele  in den Urlaub gefahren.

Nach Urlaub ist mir nun auch ein bisschen.

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                                                                                                       Am „Strand“ in Beirut

 

Deshalb bin gestern gleich mal an den Strand gegangen. Na ja, Strand ist hier ja nicht so, wie an der Ostsee. Das Ufer ist felsig und tückisch, vorgelagert sind kleine steinige Miniinseln. Man kommt auch nirgends direkt ans Meer. Den einzigen Sandabschnitt hat jetzt eine syrische Mafia besetzt.

Wenn  man hier baden will, geht man in einen Club und da sieht es dann so aus:

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Meerwasserschwimmbad im Club

 

Angenehm zu schwimmen und ein ständiger Wind von See her macht das Liegen in der Sonne erträglich.

Vielleicht nicht der Idealurlaub für vier Wochen, aber für heute Nachmittag reicht es mir.

 

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Deutsche Evangelische Kirche in Beirut

 

Am Sonntag trifft sich die deutschsprachige evangelische Gemeinde in ihrer kleinen hübschen Kirche – eingeklemmt zwischen Hochhäusern – zum Gottesdienst.

Der heutige Predigttext steht im Römerbrief, Kapitel 12 (übrigens mein Trauspruch) und Pfarrer Jonas Weiß-Lange spricht über die entlastende Botschaft „Mein ist die Rache, spricht der Herr“. Wenn alle aufhören könnten, sich rächen zu wollen für all das Unrecht, das Menschen sich nun einmal antun, –  was für ein Frieden könnte dann ausbrechen! Wieviel Energie für Konstruktives würde dann frei!

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Ein Thema, das die Menschen hier auch bewegt, ist das Konzil der Orthodoxen Kirchen, das gerade auf Kreta begonnen hat. Das letzte fand statt im Jahr 787. Seit über 1200 Jahren treffen sich die Patriarchen und Bischöfe orthodoxer Kirchen wieder einmal. Und scheinen so zerstritten wie eh. Fünf von 14 Kirchenoberhäuptern sind gar nicht erst gekommen.

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Syrisch-orthodoxe Kirche in Byblos

Der slawische Block fehlt. So sind die orientalischen Kirchen unter dem Vorsitz des griechisch-orthodoxen Patriarchen Bartolomäus I. unter sich. Ich finde das aber nicht nur traurig. Wenn es nicht um Machtfragen gehen muss, können sich die Anwesenden vielleicht eher inhaltlichen Themen zuwenden. Das wäre dringend nötig, etwa unter dem Motto: Brauchen die Orthodoxen eine Reformation?

Darüber sollten sie nachdenken. Hier im Libanon kann ich erkennen, dass in manchen Kirchen – auch bei Beibehaltung der großartigen Traditionen, die sie haben, einige Anpassung an die Bedürfnisse der Menschen vonheute gelingen kann.

Jedenfalls wird das Konzil hier von starken Fürbitten begleitet.

 

 

 

Immer wieder Byblos

17 Jun
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Im „Bab al Mina“

Heute habe ich den ganzen Tag in meiner Lieblingsstadt verbracht –  und bin glücklich.

Hier im heutigen Restaurant Bab el Mina und in den Höhlen in seinem Hintergrund spielen die Geschichten meines Buches über Byblos.

Es gab gut gegrillten Fisch, frisch gefangen, in einer sehr freundlichen entspannten Atmosphäre. Frieden pur.

 

Auf der einen Seite das spiegelglatte Mittelmeer und frage mich: welche Tragödien spielen sich da draußen irgendwo gerade ab?  Die Angst und die Hoffnung in den Schlauchbooten und die Verzweiflung der Ertrinkenden —

Auf der anderen Seite, hinter den bis oben zugebauten Bergen die Ebene, Bekaa. Hunderttausende Syrer, geflohen vor dem Krieg noch ein paar Kilometer weiter, hinter den nächsten Bergen, in Zelten, auf den Feldern. Kampf ums Überleben. Die Würde des menschlichen Lebens geht dabei oft den Bach runter.

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In den Höhlen von Bab el Mina

Darf ich hier so glücklich sein und diesen Frieden genießen?

Aber würde es etwas ändern, wenn ich hier unglücklich wäre?

Ich wünsche, mein Buch möge dazu beitragen, die Erinnerungen an die Geschichte dieses besonderen Stückchen Erde wachzuhalten und Anregungen geben für die Aufgaben von heute.

Blick über das römische Theater auf die Königsgräber

Blick über das römische Theater
auf die Königsgräber

Die Stadt ist mir schon recht vertraut und ich bin noch einmal ins archäologische Ausgrabungsfeld gegangen. die Figuren meines Buches laufen für mich schon recht lebendig darin herum und ich kann mir immer besser vorstellen, wie sie gelebt haben.

Ich überlege, welches Verständnis die Menschen, die früher hier lebten, von Geschichte hatten. Sie haben nicht, wie sonst oft, neue Tempel auf die alten gesetzt, sondern jedes Bauwerk ein Stück höher am Hang gebaut, so dass sie auf das alte und Vergangene herabblicken konnten.

Kreuzritterburg

Kreuzritterburg

Selbst die Kreuzritter haben sich noch daran gehalten und über und hinter allen anderen gebaut, sodass es bis heute sichtbar geblieben ist.

Und welche Vorstellungen und Hoffnungen hatten die Menschen damals wohl für die Zukunft? Ob sie sich gefragt haben: wie wird es wohl in 2000 Jahren hier aussehen?

Heute erlebe ich, das Toleranz und Respekt die Tugenden sind  –   unter Schmerzen gelernt (Bürgerkrieg) –  die das libanesische Volk  im Wesentlichen zusammenhalten. Möge das beispielgebend für diese ganze Weltgegend hier werden.

Ich wünsche mir, dass das Nachdenken in der Consultation nächste Woche und die Kraft der Kirchen hier (die man in Byblos deutlich spürt), dazu beitragen.

 

Kreuzfahrerkirche St. Marc-John

Kreuzfahrerkirche St. Marc-John

St. Marc-John innen

St. Marc-John innen

 

 

 

 

 

Education

16 Jun

Immer wieder steht der Libanon im Nahen Osten vor allem für qualifizierte Bildung.

Ist das möglicherweise mit ein Grund für seine derzeitige Stabilität –  obwohl es seit zwei Jahren kein Staatsoberhaupt gibt und der Staat als solcher  eh nicht viel zu sagen hat. Die zivilen (und nichtzivilen) Kräfte der Gesellschaft haben viel Verantwortung übernommen. Könnte ein Lehrstück für manche in (Ost-)Deutschland sein. Von den Schulen über den Sport bis zum Gartenverein und Altenclub übernehmen religiöse und kulturelle Gruppierungen die Gestaltung des gesellschaftlichen Lebens.

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Kirche auf dem Campus der AUB (Amerikanische Universität in Beirut)

Die Schulen sind das Beste, sagen mir hier einige. Und hinter vorgehaltener Hand auch, dass das möglicherweise auf den stillen Einfluss der Protestanten in dieser Weltgegend zurückzuführen sei.

Der macht sich auch in anderen Bereichen geltend. So haben etwa die orthodoxen Kirchen im Land nach dem Ende des Bürgerkrieges (1990) angefangen, den Nachwuchs nicht nur mit Sonntagsschule und Jugendgruppen  neu für ein sinnvolles  Leben im Frieden zu orientieren. Mehr und mehr etablieren sich auch Bibellesegruppen und Kreise, in denen nach der praktischen Konsequenz christlichen Glaubens in der heutigen realen Lebenssituation gesucht wird, also Theologie betrieben wird.

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Hausmeister Abou Elias vor dem Eingang zur NEST

Für das kommende Studienjahr sind auch wieder steigende Zahlen von Studierenden an der NEST, der einzigen Evangelischen Theologischen Hochschule im Nahen Osten angesagt.

Jedenfalls versprechen die Veranstaltungen zum Thema „Reformation in der einen Welt“ in der consultation, die nächste woche beginnt, spannend zu werden.

Bis dahin sind noch ein paar Tage Zeit und ich versuche, sie für mein Projekt „Geschichten von Byblos“ zu nutzen.

So war ich heute wieder einmal im archäologischen Museum der AUB und die vielen Ausstellungsstücke dort haben mir wieder Geschichten erzählt und Hintergründe offenbart, die ich gern noch in mein Buch aufnehme.

Sind das nicht eindrückliche Zeugen einer erinnerungswürdigen Vergangenheit in einer bedeutungsschweren Weltgegend?

 

"Grüß euch ihr Nachgeborenen"

„Grüß euch ihr Nachgeborenen“

 

 

"Damit lebten wir"

„Damit lebten wir“

"So wohnten wir"

„So wohnten wir“

 

 

 

 

Wieder da

16 Jun

Da gibt es so einen Hebel in meinem Rücken – wenn ich den umlege, kann ich ganz schnell von einer Welt in die andere switchen. Der Flug mit Bora-JET über Adana war angenehm und grad in Beirut gelandet, war ich wieder voll da. Der bestellte Taxifahrer kam nämlich nicht und so musste ich privat zur Deutschen Gemeinde finden, was aber überhaupt kein Problem war. Den Weg bin ich doch schon oft gefahren.

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Leere Straße in Beirut

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Blick von meinem Balkon

Diesmal bin ich also im Gemeindehaus der „Evangelischen Gemeinde Deutscher Sprache“ untergebracht, in einem angenehmen Gästezimmer gleich neben Pfarrer Jonas Weiß-Lange und seiner Frau Chris, mit denen ich auch den ersten Abend verbracht habe. Es gibt ja so viel zu erzählen.

Von meinem Balkon im 7. Stock habe ich einen Blick über halb Beirut, bis zu den Bergen, und um die Ecke auch aufs Mittelmeer. Beirut ist eine Baustelle – wie immer. Einige neue Häuser sind hochgezogen. An anderen wird geschafft. Aber alles geht langsamer zur Zeit und ruhiger. Selbst der Verkehr ist überschaubar. Es ist Ramadan.

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An der Corniche

Offenbar nutzen viele Leute diese Zeit, um Urlaub zu machen. Schulen und Universitäten sind schon geschlossen. Touristen aber nicht viele da. So kommt es, dass ich mich fast wie zuhause fühle, zumal auch die Temperatur noch angenehm ist – grad 25° C.

Gestern bin ich den ganzen Tag mit Jon Armajani unterwegs gewesen. Er ist iranischer Abstammung und jetzt Professor für Theologie und Islamwisschenschaft in Minnesota. Alle Jahre wieder treffen wir uns hier in Beirut und tauschen uns aus – über Iran und Deutschland, den Nahen Osten und Afrika und dann noch über Gott und die Welt.

Die meiste Zeit haben wir in der AUB verbracht, der „American University of Beirut“, die 1866 gegründet wurde.

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Altehrwürdige AUB, seit 150 Jahren das Bildungszentrum Beiruts

Obwohl Semesterferien, war der Campus gut besucht, die Bibliothek voll mit Studierenden, ca. 8000 zurzeit, sagt Jon. Er hat in den vergangenen vier Wochen an der armenischen Universität, der „Haigazian“  (800 Studierende) Vorlesungen gehalten, u.a. über „Jesus und Maria im Islam und im Christentum“.

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Jon Armajani vor der neuen Fakultät der Internationalen Beziehungen in der AUB

In der NEST traf ich neben vielen alten Bekannten auch Mary Mikhael die ehemalige Direktorin der NEST, die vom Engagement der Kirche in der Flüchtlingsarbeit erzählte. Ein Schwerpunkt liegt auf der Bildungsarbeit. An vier Orten im Land werden über 250 Flüchtlingskinder aus Syrien (6-11 Jahre) von Ehrenamtlichen im normalen Curriculum der Grundschulen hier unterrichtet. Das Lernen und die Zuwendung sollen auch helfen, mit den traumatischen Erfahrungen, die sie im Krieg gemacht haben, leben zu lernen.

Es ist schon vom ersten Tag an spannend, wieder hier zu sein, in diesem Land, dass seine Vielfalt bewusst gegen die Einfalt der Fundamentalisten rundum setzt.

 

Dringender Aufruf der protestantischen Kirchen im Libanon und Syrien

16 Sep

Dringender Aufruf
des Höchsten Rates der Evangelischen Gemeinden in Syrien und im Libanon
an alle Evangelischen und Protestantischen Kirche und Organisationen
weltweit
Wir, die Leiter der evangelischen und protestantischen Kirchen und
Organisationen, die dem Höchsten Rat der Evangelischen Gemeinden in Syrien
und im Libanon angeschlossen sind, haben uns in diesem kritischen Augenblick
unserer Geschichte getroffen, um über die gegenwärtige Situation unserer
Mitglieder im Irak, in Syrien und im Libanon sowie und die tragischen Ereignisse,
die sie betreffen haben, zu sprechen. Wir sind zutiefst beunruhigt über das große,
menschliche Leid und die politischen Schwierigkeiten, denen sich unsere
Mitglieder in diesen Ländem gegenüber sehen. Wir haben intensiv über diesen
Zustand nachgedacht, der sich ständig verschlimmert, und sind äußerst entsetzt
und schockiert über die grausamen Akte der Gewalt gegenüber unschuldigen
Zivilisten und ganzen Gemeinschaften, speziell Christen.
Wir erklären uns solidarisch mit den verschiedenen Appellen und Aufrufen, die
von den Leitungen unserer Schwesterkirchen im Osten sowie einigen islamischen
Gruppierungen zu neuesten Entwicklungen der Ereignisse im Irak herausgegeben
wurden, insbesondere zu den erzwungenen Umsiedlungen und den Morden von
Einzelnen und Gruppen durch den sogenannten „Islamischen Staat in Irak und
Syrien (ISIS)“ – Morde, die auf einen tatsächlichen Völkermord hinaus laufen.
Wir sind uns auch der katastrophalen Konsequenzen des blutigen Konfliktes
bewusst, der Syrien seit drei Jahren erschüttert. Wir sind entsetzt über das Ausmaß
an Tod, Zerstörung und fortdauemder Vertreibung weiter Bereiche der syrischen
Gesellschaft und Bevölkerung, auch Christen, in allen Teilen des Landes.
Wir vergessen auch die gewalttätigen Ausbrüche und schweren Verstöße gegen die
Sicherheit in letzter Zeit im Libanon nicht Vorfälle, die eine große Anzahl an
Opfem gefordert haben. Am schwerwiegendsten sind die andauemden
gewalttätigen Auseinandersetzungen in der Stadt Arsal (im Nordosten des Landes).
Und das ungeachtet des ständigen Zustroms von syrischen und irakischen
Flüchtlingen sowie den Drohungen, Kirchen in einigen Gegenden anzugreifen.
In Anbetracht all dessen veröffentlichen wir diesen dringenden Aufruf, um Sie
darüber zu informieren, dass die oben genannten Faktoren, zu denen noch weitere
zählen, von einer existenziellen Bedrohung der Zukunft der Minderheiten im
Nahen Osten zu einer reellen Gefahr geworden sind.
Für uns ist dies ein Augenblick voller Angst und Schrecken! Deshalb ergreifen wir
die Initiative und verkünden den „Ausnahmezustand“, damit das, was an
christlicher – und gemäßigter nicht-christlicher – Präsenz im Osten vorhanden ist,
bewahrt und seine vollständige Zerstörung verhindert wird.
Die Frage der christlichen Präsenz im Nahen Osten geht inzwischen über die
Forderung nach Menschenrechten und Schutz vor Verfolgung hinaus. Sie ist ein
wamender Aufschrei, bevor weitere Ereignisse die christliche Präsenz im Nahen
Osten vemichten.
Deshalb und aufgrund unserer Kenntnisse der Gefahren, die in der gegenwärtigen
Krise liegen, sowie voller Mitgefühl mit den Leiden und Tragödien unsere Völker,
bitten wir unsere Partner im geistlichen Amt, damit die gesamte Gemeinschaft der
Evangelischen und Protestantischen Kirchen auf der ganzen Welt sowie ihre
sozialen und humanitären Organisationen, sehr dringend, schnellstmöglich zu
handeln:
Erstens: Die Regierung und Entscheidungsträger in Ihren Ländem umgehend und
dringend zu ersuchen,
a) das Bewusstsein für die drohenden Gefahren der Situation zu wecken,
b) sofort zu handeln, um die Vemichtung sowie die erzwungene und verordnete
Vertreibung mit Waffengewalt von Einzelnen und ganzen Gruppierungen aus ihrer
Heimat zu verhindern,
(c) auf eine Langzeitstrategie hin zu arbeiten, die darauf abzielt, der grausamen
Gewalt und dem wahllosen Morden sowie der Vertreibung von Individuen und
Völkern im Nahen Osten Einhalt zu gebieten. Das seit langem bestehende,
historische Gefüge des friedlichen Zusammenlebens der unterschiedlichen sozialen
Teile des Nahen Ostens droht zu zerbrechen. Es muss unbedingt erhalten werden.
Wir ergreifen diese Gelegenheit, die Evangelischen und Protestantischen Kirchen
in der ganzen Welt sowie ihre sozialen und humanitären Organisationen dringend
zu bitten, den größtmöglichen moralischen und sonstigen Druck auszuüben sowie
alle Ressourcen, die ihnen zur Verfügung stehen, auszuschöpfen, um sicher zu
stellen, dass die moralischen Werte und humanitären Prinzipien ihrer
Gesellschaften und Länder über die politischen und temporären Interessen gestellt
werden. Wir sind davon überzeugt, dass Sie, unsere Partner, sich dafür einsetzen
können und sollten. Das ist besonders wichtig im Hinblick darauf, die Lieferung
von Geldern und Waffen an die „takfiri“ und anderen radikalen Gruppen Einhalt
zu gebieten. Wir bitten Sie dringend, Ihre Regierungen zu beeinflussen, damit sie
Druck auf die internationalen und nationalen Mächte ausüben, die die radikalen
Gruppierungen unterstützen.
Zweitens: Eine gut durchdachte Strategie muss entwickelt und angewandt werden,
um die christliche Präsenz im Osten und auch die Präsenz anderer moderater
Gruppen in der Region zu erhalten. Das ist dringend erforderlich, damit diese
Gemeinschaften weiterhin Botschafter der Liebe, des Friedens und der
Menschenrechte sein sowie intellektuellen, erzieherischen und religiösen
Pluralismus vertreten können. Das ist bislang durch die Stärkung der Bildungs-
und der sozialen Einrichtungen erreicht worden, die schon lange zur Ablehnung
von Radikalismus und Gewalt und zur Stabilisierung der Werte wie Gerechtigkeit,
Frieden und respektvolle Akzeptanz des Anderen beitragen und das auch weiterhin
tun.
Drittens: Humanitäre Hilfe für Opfer der fortdauemden Gewalt ist dringend nötig.
Wir bitten unsere Partner inständig, den Kriegsopfem Nahrung und Wasser sowie
medizinische und andere Versorgung zur Verfügung zu stellen, und diejenigen zu
unterstützen, die gewaltsam aus ihrer Heimat vertrieben und/oder zu Flüchtlingen
in den Nachbarländem wurden, damit sie sicher in ihre Städte, Dörfer und Kirchen
zurückkehren können.
Göttliche Liebe, Fleisch geworden am Kreuz, ruft eine tiefe Traurigkeit in uns
hervor und bewegt uns zum Gebet. Es ist dieselbe Liebe, die uns dazu treibt,
diesen Aufruf zu verschicken und für diejenigen einzutreten, die in den absurden
Kriegen im Irak, in Syrien, dem Libanon und anderen Ländern dieser Regionen
gefoltert, entführt und heimatlos geworden sind sowie für die Familien derer, die
getötet oder ermordet wurden. Wir müssen zusammen arbeiten, um die Wunden zu
heilen und das zu bewahren, was von der christlichen Gemeinschaft in diesen
Ländem noch geblieben ist. Wir müssen auch daran arbeiten, das tragfähige
Zusammenleben mit unseren muslimischen Brüdem und Schwestem zu stärken,
trotz der größer werdenden konfessionellen Konflikte und der ständig wachsenden
Spirale sinnloser Gewalt.
Unsere Hoffnung ist, dass Sie schnell handeln, ehe es zu spät ist. Sie sind unsere
wahren Partner im Glauben, und Partnerschaft im Christentum basiert auf
Solidarität und Gemeinschaft, auf gegenseitiger aufrichtiger Unterstützung im
Glauben, um des gemeinsamen christlichen Zeugnisses willen und in Gehorsam
gegenüber den Geboten unseres Herrn Jesus Christus.
Beirut, Libanon, 29. August 2014
Rev. Dr. Salim Sahiouny, President
Supreme Council of the Evangelical
Community in Syria and Lebanon
Rev. Megrditch Karagoezian, General Sec.
Supreme Council of the Evangelical
Community in Syria and Lebanon
President, Union of Armenian Evangelical
Churches in the Near East
Rev. Charles Costa,
Exec. Comm. member
Pastor, Baptist Evangelical Church of Ras Beirut
Rev. Imad Zoorob,
Exec. Comm. member
Pastor, All Saints Episcopal Church, Beirut
Rev. Sami Dagher,
Exec. Comm. Member
Vice president, Evangelical Christian
Alliance Church in Syria and Lebanon
Rev. Samuel Hanna, Vice President
Supreme Council of the Evangelical
Community in Syria and Lebanon
Rev. Dr. Habib Badr, Senior Pastor
National Evangelical Church of Beirut
Rev. Fadi Dagher, General Secretary
National Evangelical Presbyterian
Synod of Syria and Lebanon
Rev. Said (Joy) Mallouh, President
Assembly of the Church of God
In Syria and Lebanon
Rev. Levon Maksoudian,
Exec. Comm. member
President, Seventh Day Adventist Church, Lebanon
Rev. Salim Sabounji, Pastor
Exec. Comm. Member
Syriac Evangelical Church of Lebanon
Rev. Andrew Salameh, District Superintendent
Nazarean Evangelical Church of Lebanon
Rev. Edward Awabdeh
Evangelical Christian Alliance Church
In Syria and Lebanon
Brother Fuad Al Masri, President
National Evangelical Church of Bludan, Syria
Mr. Tony Manasseh, Stated Clerk
Friends (Quakers) Community, Lebanon
Mr. Jean Dagher
Exec. Comm. member, Finance Secretary
Supreme Council of the Evang. Community
In Syria and Lebanon
Dr. Basem Shab
Exec. Comm. member
Representative of the Evangelical Community
Rev. Joseph Kazzi, President
Evangelical Baptist Convention in
Lebanon
Rev. Daas Haddad, President
Evangelical Baptist Union of Syria
Rev. Joseph Najem, President
Free Evangelical Church in Syria and
Lebanon
Brother Elias Saqr, General Secretary
Brethren Evangelical Church of Lebanon
Rev. Joseph Kassab, President
Lebanese Evangelical Society
Judge Fawzi Dagher
Exec. Comm. member
Legal Consultant of the Supreme Council
Of the Evang. Community in Lebanon
Dr. Nabil Costa, General Secretary
The League of Evangelical Schools
In Lebanon
Member of the Lebanese Parliament
Rev. Jonas Weiss-Lange, Pastor
German Speaking Evangelical Church in Beirut
Dr. Elie Haddad, President
Arab Baptist Theological Seminary,
Mt. Lebanon
Rev. Dr. Paul Haidostian, President
Haigazian University, Beirut
Rev. Pierre Lacoste, Pastor
French Speaking Evang. Church in Beirut
Dr. Leif Hongisto, President
Middle East (Adventist) University,
Mt. Lebanon
Dr. George Sabra, President
Near East School of Theology, Beirut
Übersetzung: S. Lutter für die deutschsprachige Gemeinde zu Beirut

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