Ja, im März wurde der Krieg im Land intensiver und ich musste den Libanon verlassen. drei Monate habe ich in Deutschland ausgeharrt, bis die Sicherheitsstufe durch das Auswärtige Amt wieder herabgestzt wurde und ich wieder einreisen konnte.
Nun habe ich nur noch eine kurze Zeit hier, meine Beauftragung für den Pfarrdiest in der Deutschen Gemeinde im Libanon und Syrien ist zuende und ich werde nach Deutschland zurückkehren.
Nein, es ist noch nicht wirklich Friede im Land, aber die Hoffnung, diese nicht totzukriegende Kraft, wächst wieder. Es gibt also zum ersten Mal seit Jahrzehnten eine „Vereinbarung“ zwischen den Ländern Libanon und Israel, die die Absicht erkennen lässt, möglichst in friedlicher Nachbarschaft zu leben. Aber alle wissen: Papier ist geduldig.
Erstaunlicherweise hat eine gerade gestartete Umfrage (unabhängiges Institut) ergeben, dass
84 % der Drusen
82 % der Christen
68 % der Sunniten
und 35 % der Schiiten
die Verhandlungsbereitschaft der Regierung mit Israel unterstützen und letztlich eine friedliche Nachbarschaft für möglich halten. Das gönne ich dem Land von Herzen!
Und schon sind erste Auswirkungen sichtbar. (Libanesen sind schnell und findig!) Die Golfstaaten haben ihre Reisebeschränkungen für Libanon aufgehoben und die hiesige Tourismusindustrie stellt sich gerade auf einen neuen Besuchersturm im Sommer ein. Auch der Handel kommt wieder in Schwung und die arabischen Länder stehen mit einem Fuß in der Tür, um sobald ein Ende der Kampfhandlungen in Sicht ist, hier ihr Geld zu investieren.

Leider sind die Kampfhandlungen noch nicht zuende. Jeden Tag, immer noch bombardiert die israelische Armee im Süden und in der Bekaa Schussnalagen und Munitionslager, aber auch zivile Häuser und ganze Dörfer und zerstört nach wie vor Landschaft und Kulturgüter. 10 km weit ins Land wollen sie sowieso bleiben.
Die Regierung verhandelt zäh über einen Zeitplan für den Abzug der israelischen Truppen – das ist die Voraussetzung dafür, dass die libanesische Armee die Sicherheit in den Regionen übernehmen kann. Erst dann wird an einen Wiederaufbau gedacht werden können.
Viele Libanesen haben ihre Zweifel, ob das so bald sein wird.
Ich bin nicht die einzige, die gerade ihren Dienst beendet. Mein langjähriger gleichaltriger Freund und Kollege, Rev. Habib Badr (siehe Headfoto, oben auf der website) wurde zwei Tage vor mir mit einem großen Gottesdienst und einer Feier in den wohlverdiensten Ruhestand verabschiedet.

Ich habe am 28. Juni dankbar mit der Gemeinde meinen Abschied aus diesem Pfarramt gefeiert – und damit auch mein Ausscheiden aus dem aktiven Berufsleben: nach 50 Jahren (!) im Pfarrdienst.

Anschließend haben wir dann wenigstens mit all denen die noch – oder schon wieder – da sind ein fröhliches Sommerfest gefeiert. Nachdem Ostern, Pfingten, der Frühlingsbasar und die Ausflüge wegen des Krieges in diesem Frühjahr ausfallen mussten, hat es die Gemeinde sichtbar genossen, endlich wieder etwas feiern zu können. Darin sind sie ja wirklich stark!

Nun werde ich dieses schöne gebeutelte Land erst einmal verlassen, aber – ich hoffe sehr auf immer wieder neues Wiedersehen!



































































































































